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Fr, 20.11.15 | Leseprobe probelesen…

Leseprobe probelesen


Warum der schwarze König Melchior so froh wurde

4626965800001ZEs verbreitete sich das Gerücht von dem wunderbaren Kinde mit dem Schein ums Haupt und drang bis in die fernsten Länder. Dort lebten drei Könige und weise Männer, Kaspar, Melchior und Balthasar. Sie verstanden, den Gang der Gestirne vom Himmel abzulesen. Das ist eine schwierige Kunst, wie jeder weiß, der einmal versucht hat, hinter einem Stern herzulaufen.

Diese drei also taten sich zusammen, sie rüsteten ein prächtiges Gefolge aus, und dann reisten sie eilig mit Kamelen und Elefanten gegen Abend. Die Reise ging gut voran, aber als der Stern über Jerusalem hinaus gegen Bethlehem zog, da wollten ihm die Könige nicht mehr folgen. Sie dachten, wenn da ein Fürstenkind zu besuchen sei, dann müsse es doch wohl in einer Burg liegen und nicht in einem armseligen Dorf. Den ganzen Tag hatten sie nach dem verheißenen Kinde gesucht und nichts gefunden, denn in der Burg zu Jerusalem saß nur ein widerwärtig fetter Bursche namens Herodes.

Erst in der Nacht kletterte der Stern wieder heraus und schwang sich über das Dach. Die drei Könige sahen ihn beglückt. Hals über Kopf kamen sie herbeigeritten. Nun war aber der eine von den dreien, Melchior, ein Mohr, baumlang und so tintenschwarz, dass selbst im hellen Schein des Sternes nichts von ihm zu sehen war als ein paar Augäpfel und ein fürchterliches Gebiss. Als Letzter in der Reihe trat Melchior zaghaft vor das Kind und warf sich zur Erde. Ach hätte er jetzt nur ein kleines weißes Fleckchen zu zeigen gehabt! Er schlug die Hände vors Gesicht, voll Bangen, ob sich auch das Gotteskind vor ihm entsetzen würde. Weil er aber weiter kein Geschrei vernahm, wagte er ein wenig durch die Finger zu schielen, und wahrhaftig, er sah den holden Knaben lächeln und die Hände nach seinem Kraushaar ausstrecken.

Über die Maßen glücklich war der schwarze König! Melchior konnte nicht anders, er musste die Füße des Kindes umfassen und alle seine Zehen küssen, wie es im Mohrenlande der Brauch war. Als er aber die Hände wieder löste sah er das Wunder – …

 

Wie es weitergeht erfahren Sie in dem Buch „Als den Hirten der Stern erschien“  von Karl Heinrich Waggerl.

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