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So, 25.10.15 | Leseprobe probelesen…

Leseprobe probelesen


Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

1822794700001Z„Alle unsere Fähigkeiten und Beschränkungen, Tugenden und Defekte sind jeweils gepaart mit ihrem Gegenteil in uns vorhanden. Ich will sagen, dass niemand nur einfach gut ist, niemand nur intelligent oder nur mutig. Unsere Güte, Intelligenz und unser Mut gehen immer einher mit unserer Bosheit, unserer Dummheit und unserer Feigheit….“

„Aber wenn das stimmt, was du sagst, versteckt sich hinter jedem guten Menschen immer ein unterdrückter Schweinepriester“, unterbrach ich ihn empört… „Bevor du einen Anfall bekommst, werde ich dir eine Geschichte erzählen.“

Vor dem Himmelstor hatten sich ein paar hundert Seelen der Männer und Frauen versammelt, die an diesem Tag verstorben waren. Der heilige Petrus regelte am Eingang zum Paradies den Verkehr. „Auf Anweisung des Chefs teilen wir die Gäste gemäß Befolgung der Zehn Gebote in drei große Gruppen ein. Die erste Gruppe ist für alle, die jedes Gebot mindestens einmal missachtet haben. Die zweite Gruppe ist für die bestimmt, die zumindest eins der Gebote übertreten haben. Und in der letzten Gruppe, von der wir annehmen, dass es die größte sein wird, sollen all diejenigen sich einfinden, die Ihr ganzes Leben lang nie auch nur eines der Zehn Gebote verletzt haben… Diejenigen, die alle Zehn Gebote übertreten haben, gehen bitte nach rechts.“ Mehr als die Hälfte der Seelen bewegte sich auf die rechte Seite. „Von den Verbleibenden treten all die, die eins der Gebote verletzt haben, nach links.“

All die verbliebenen Seelen bewegten sich nach links. Fast alle… Alle bis auf eine.

In der Mitte blieb eine Seele zurück, die ein guter Mensch gewesen war. Nicht ein einziges Mal in ihrem ganzen Leben hatte sie etwas anderes getan als recht gedacht, recht gehandelt und recht gefühlt.

Der heilige Petrus war überrascht. Sofort unterrichtete er Gott darüber. „Hör mal, die Sache ist die: Wenn wir bei unserer Ursprungsidee bleiben, wird dieser arme Mensch, der da jetzt noch in der Mitte steht, nicht für seine Frömmigkeit belohnt werden, sondern sich vor lauter Einsamkeit zu Tode langweilen. Ich glaube, das sollten wir verhindern…“

 

Wie es weitergeht erfahren Sie in dem Buch von Jorge Bucay „Komm ich erzähl dir eine Geschichte“

 

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