Da läuft ein Schwein!

„David de Vriend hatte sechzig Jahre hier gewohnt und auf diesen Platz geschaut, jetzt schloss er damit ab. Noch ein letzter Blick aus dem Fenster. Es gab da unten nichts, was er nicht kannte, und nun musste er ausziehen, weil eine andere Zeit gekommen war – und jetzt sah er: Da unten war ein Schwein! Mitten in Brüssel, in Sainte-Catherine. Er sah, wie das Schwein an der Ecke zur Rue du Vieux Marché aux Grains, beinahe vor ein Taxi lief“ …

„Kai-Uwe Frigge, von der Notbremsung nach vorn geworfen, fiel in den Sitz zurück. Er kam zu spät. Was war jetzt wieder los? Ein Schwein! Haben Sie das gesehen, Monsieur? rief der Taxifahrer. Springt mir fast vor den Wagen! Er beugte sich weit vor: Da! Da! Sehen Sie es?“ …

„Der Kellner brachte eine Karaffe mit Wasser und einen Teller mit Oliven – und sagte: Ein Schwein! Wie bitte? Fenia Xenopoulou blickte auf, sah, dass der Kellner gebannt auf den Platz hinausschaute und nun sah sie es: Das Schwein lief in Richtung Hotel Atlas.“ …

„In diesem Moment verließ Ryszard Oswiecki das Hotel, eilig, aber nicht zu schnell, er wollte nicht auffallen. Er hörte aufgeregte Rufe, einen Schrei und ein seltsam quietschendes Keuchen. Er konnte nicht glauben, was er sah: Da stand ein Schwein vor dem Hotel.“ …

„Martin Susman wohnte in dem Haus neben dem Hotel Atlas. Er öffnete das Fenster und traute seinen Augen nicht: Das sah aus wie ein freilaufendes Schwein. Das konnte nur ein Streich seiner Phantasie sein.“ …

„Gouda Mustafa bog um die Ecke und stieß fast mit dem Schwein zusammen. Fast? Hatte es ihn nicht doch berührt? Voller Panik fiel er in eine Pfütze. Es war nicht der Dreck der Gosse, es war die Berührung mit dem unreinen Tier, durch die er sich beschmutzt fühlte.“ …

„Professor Alois Erhart streckte Mustafa seine Hand entgegen. Da kam schon das Blaulicht. Die Einsatzfahrzeuge rasten heulend zum Hotel Atlas. Mustafa nahm die Hand von Professor Erhart, ließ sich aufhelfen. Sein Vater hatte ihn vor Europa gewarnt.“ …

Wie es weitergeht erfahren Sie in dem großen europäischen Roman von Robert Menasse „Die Hauptstadt“.

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