Von Ochsenkarren und Supercomputern

 „Während meiner Kindheit in Indien erlebte ich eine einzigartige Gleichzeitigkeit: Das Straßenbild war ein Sammelsurium verschiedener Zeitepochen, die alle ineinanderzufließen schienen: Hupende Autos über-holten Rikschas, ein Kuh schläft auf der Fahrbahn und niemand stört sich daran. Halbnackte Sadhus reckten sich, während Geschäftsleute im Anzug in ihre Büros eilten. Straßenhändler verkauften geröstete Erdnüsse wie vor hunderten von Jahren, während direkt daneben moderne Stores in klimatisierten Räumen westliche Waren anpriesen.

Sieht man in Indien eine Frau im Sari, die gerade ein Mobiltelefon benutzt, ist man sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass diese Szene gleich mehrere Jahrhunderte überspannt. Ein Mobiltelefon in der Hand und noch immer die gleiche Kleidung wie vor 4800 Jahren?

In Indien scheint das Neue das Alte zu ergänzen, anstatt es zu ersetzen. Während im Westen die Zeugnisse vergangener Kulturen oft abgerissen wurden, um dem Fortschritt Platz zu machen, hat sich das Neue in Indien dazugesellt wie ein Feriengast, der geblieben ist.

Der Subkontinent ist eine Welt der Gegensätze: Mittelalter neben Hightech, Armut neben Reichtum, Gier neben Großherzigkeit, Maschinen neben Göttern, Blechhütten neben Luxushotels. Man hat den Eindruck, als würden alle Seiten eines Geschichtsbuchs gleichzeitig zum Leben erwachen. Man trifft auf Kamelkarawanen, die noch immer die Wüsten Rajasthans durchqueren, so als hätten sie sich im Jahrhundert geirrt. Und über dem Ganzen zerteilen die Kondensstreifen vorüberziehender Flugzeuge den Himmel.

Bei einem längeren Aufenthalt in Indien stand ich eines Abends an der Mahatma Gandhi Road in Bangalore. Ein bunter Ochsenkarren zog vorbei, dessen Ladung aus Dutzenden nagelneuen Computern bestand. Welch ein Anachronismus: Die Vergangenheit beförderte die Zukunft!“

Wie es weitergeht erfahren Sie in dem Buch von Ranga Yogeshwar „Nächste Ausfahrt Zukunft – Geschichten aus einer Welt im Wandel“

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